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Willi Dürrnagel berichtet: " Geschichten aus dem Freistaat " Süddeutsche Zeitung von Katja Auer

 

Lieber Herr Duerrnagel,

haben Sie schon mal eine Sitzung Ihres Stadt- oder Gemeinderates verfolgt? Das kann eine zähe Angelegenheit sein, wenn es um so wenig glamouröse Fragen geht wie jene, ob die örtliche Kläranlage erweitert werden muss oder ob im Neubaugebiet Hinterer Anger nun Gauben auf den Garagen erlaubt werden sollen oder nicht. Aber darum geht es in der Kommunalpolitik, um die politische Kärrnerarbeit sozusagen, die zwar nicht unbedingt Ruhm verspricht, aber das Gemeinwesen am Laufen hält.

Und es sind oft bemerkenswerte Persönlichkeiten, die sich in Städten und Gemeinden engagieren. Der jüngst gestorbene frühere Bürgermeister von Wunsiedel, Karl-Willi Beck (CSU), hockte sich einst mit linken Demonstranten zur Sitzblockade gegen Neonazis auf die Straße. Heinrich Trapp brachte es im traditionell schwarzen Landkreis Dingolfing-Landau zum dienstältesten Landrat Bayerns – als Sozialdemokrat. Und Gabriele Pauli war CSU-Landrätin in Fürth, Parteirebellin, Hoffnung der Freien Wähler, Parteigründerin und noch allerlei.

Mein Kollege Olaf Przybilla hat zwei Männer getroffen, die es auf ein ganz besonderes Jubiläum in der Kommunalpolitik bringen: Zusammen sind sie insgesamt 100 Jahre im Würzburger Stadtrat. Jürgen Weber und Willi Dürrnagel erzählen (SZ Plus), warum sie von Fraktionsdisziplin nicht viel halten, weshalb „provinziell“ kein Schimpfwort ist und wieso man Frauen nicht unterschätzen sollte. Ich kann Ihnen die Lektüre nur empfehlen, sie zeugt von viel Arbeit – und von viel Leidenschaft.

Dass es nicht zwingend glanzvoller wird, wenn ein Kommunalpolitiker sein Betätigungsfeld in die Landespolitik verlegt, hat übrigens gerade der frühere Coburger Landrat Michael Busch bestätigt. Er wechselte 2018 für die SPD in den Landtag und erlebte dort frustrierende Oppositionsarbeit und innerparteiliche Differenzen. Inzwischen hat er Partei und Fraktion verlassen und zieht ein bitteres Fazit: „Ich bin gescheitert, ohne Wenn und Aber.“

Das müssen Sie hoffentlich nicht erkennen, egal in welchem Bereich. Ich wünsche Ihnen ein schönes zweites Adventswochenende!

Herzliche Grüße,

Katja Auer

Foto: by Willi Dürrnagel