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Stadt Würzburg informiert

Top 1: Museum im Kulturspeicher, Stadtbücherei, Theater Chambinzky sowie die Festivals Umsonst & Draussen, Hafensommer und Mozartfest legen erstmalig Klimabilanzierungen vor - Top 2: Mayors for Peace: Fränkisches Netzwerk aktiviert - Top 3: Umwelt- und Klimapakt Bayern

Würzburg 

Top 1: Seit drei Jahren agiert das Würzburger Bündnis KlimaKultur als Motor der Transformation im Kulturbereich

Aktionstag in der Stadtbücherei

Vor drei Jahren haben sich alle städtischen sowie zentrale freie Kultureinrichtungen und Festivals zum Bündnis KlimaKultur zusammengeschlossen „Das in dieser Form einmalige Bündnis und seine strategische Ausrichtung haben im Kulturbereich und bei Kommunen bundesweit große Beachtung gefunden. Auch im vierten Jahr arbeitet unser Bündnis mit großem Engagement und neuen Ideen weiter an der nachhaltigen Transformation der Kulturarbeit“ freut sich Kulturreferent Achim Könneke.

In den ersten beiden Jahren standen der gezielte Ausbau der eigenen Transformations-Kompetenzen im Fokus, die Einrichtungen bildeten Nachhaltigkeits-AGs, benannten Nachhaltigkeitsbeauftragte und setzten erste Sofortmaßnahmen um. Parallel wurde das gesamtstädtische Klimaschutzkonzept um ein Handlungsfeld Kultur und Bildung erweitert und darin für den Kulturbereich vorbildliche Klimaziele beschlossen. Außerdem wurde im Museum im Kulturspeicher MiK, im Fachbereich Kultur/Hafensommer-Festival und im Theater Chambinzky je ein Mitarbeiter berufsbegleitend zum „Transformationsmanager“ qualifiziert.

Nun erarbeiteten sechs Einrichtungen und Festivals mit externer Fachbegleitung durch „What if – Projektbüro für nachhaltige Kultur“ erstmals nach international anerkannten Standard Klimabilanzierungen, um eine solide Datenbasis über ihren konkreten ökologischen Fußabdruck zu erhalten. Beteiligt waren das Museum im Kulturspeicher, die Stadtbücherei, das Theater Chambinzky sowie die Festivals Umsonst & Draussen, Hafensommer und das Mozartfest.

Ziel war, die konkreten Auswirkungen der eigenen Arbeit auf den Treibhausgaseffekt zu ermitteln. Neben der Energieversorgung, der technischen Infrastruktur der Häuser (Heizung, Klimaanlagen, Licht etc.) wurden Bereiche wie Fuhrparks, Transporte, Verbrauchsmaterial, Abfall, Catering, aber auch Mobilität der eigenen Beschäftigten und Gäste untersucht. Im Ergebnis haben die  Einrichtungen und Festivals nun eine geeignete Basis, um sehr gezielt wirkungsvolle Maßnahmen zur schrittweisen Transformation ihrer Einrichtung und Arbeit in Richtung einer möglichst klimaneutralen Kulturarbeit umzusetzen. Zugleich wurde auch deutlich, welche Ziele nur gemeinsam als Bündnis beziehungsweise durch politische Weichenstellungen einlösbar sein werden.

 

Stadtbücherei im Falkenhaus

„Als meist besuchte öffentliche Institution der Stadt hat sich die Bücherei das Ziel gesetzt, die Menschen in Würzburg auf dem Weg in eine nachhaltigere Gesellschaft zu begleiten und ihren Teil zum notwendigen Wandel beizutragen,“ erläutert die Direktorin der Stadtbücherei Martha Maucher. Als erste größere Maßnahme plant die Stadtbücherei im Juni einen Aktionstag, um einer breiten Öffentlichkeit die Ergebnisse der Klimabilanzierung vorzustellen und das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln zu stärken.

 

Museum im Kulturspeicher MiK

Marcus Andrew Hurttig, der neue Direktor des Museum im Kulturspeicher (MiK) freut sich über die hervorragende Vorarbeit: Die zentrale Frage sei „wie nachhaltig und klimaschonend kann das MiK arbeiten und wie lebendig und produktiv kann es gleichzeitig sein?“ Eine interdisziplinär-besetzte Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ arbeitet kontinuierlich an konkreten Maßnahmen: 2024 beginnt die Umrüstung der Beleuchtung in allen Ausstellungsräumen auf energiesparende LED-Technik. Das MiK beteiligt sich an der neuen „DB Rad+ App“ und belohnt erradelte Kilometer mit freiem Eintritt ins Museum.

 

Theater Chambinzky

Das Theater Chambinzky hat als erste Würzburger Kultureinrichtung für die vielfältigen Aufgaben der ökologischen Transformation zusätzliche feste Personalressourcen eingeplant. „Das Nachhaltigkeitsteam des Chambinzky erarbeitet derzeit ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept als Fahrplan für die strukturierte Weiterentwicklung der nächsten Jahre,“ so erläutert Alexander Weigand, der Nachhaltigkeitsbeauftragte des Theater Chambinzky. Schon vor der Bilanzierung wurde die gesamte Theaterlichttechnik auf LED umgestellt und eine Belüftungsanlage mit hocheffizientem Wärmetauscher verbaut, um Strom- und Heizkosten zu reduzieren. Weiter plant das Theater mittelfristig ein Jobradleasing-Angebot und wird das Abfallmanagement überarbeiten.

 

Umsonst-und-Draussen Festival

„Wir verändern uns, dazu gehört auch unser Verhalten gegenüber Umwelt, Klima und Konsum“, sagt Lisa Altvater, Geschäftsführerin des U&D-Vereins. Müll wird seit Jahren getrennt und vermieden. Mehrweg bei Getränken ist Pflicht und etabliert. Transporte werden optimiert, Wege kurz gehalten. Eine Brauerei aus der Region sorgt für Getränke und Gastronomie-Partner aus Franken sorgen für Verpflegung. „Wir möchten in die Kommunikation mit unserem Publikum treten und verstärkt für eine ressourcenschonende Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrad oder zu Fuß zum Festival und wieder nach Hause werben“, erläutert Lisa Altvater. Außerdem streben wir Gespräche für eine Taktverdichtung von Bussen mit der WVV an. Die Fahrradabstellplätze sollen in den nächsten Jahren neu organisiert werden. Regionalität soll einen noch größeren Fokus einnehmen, insbesondere hinsichtlich des Basars und der angebotenen Kulinarik.

 

Hafensommer-Festival:

Auch beim 17 tägigen Hafensommer werden knapp 70% der CO2-Emissionen durch die Anreise der Besucher verursacht, die hauptsächlich mit Verbrennermotor-PKW die Konzerte besuchen. Nach der bereits erfolgten Umstellung auf Ökostrom und klimaneutralen Druck der Festivalpublikationen werden künftig bei der Publikumsgastronomie und der Getränkeversorgung strengere Nachhaltigkeitskriterien bei der Vergabe erprobt.

 

Mozartfest

Für das Mozartfest Würzburg stand eine umfangreichere Mobilitätsumfrage im Fokus. Die Auswertung ergab, dass 94 Prozent der Mobilitätsemissionen vom Publikum verursacht werden. In der Folge gilt 2024 erstmals das Online-Ticket zu den beiden Nachtmusiken gleichzeitig als Fahrschein für die öffentlichen Verkehrsmittel zur Veranstaltung. Bei der Programmplanung wirken sich Doppelabende und vermehrte Residenzen positiv auf die Emissionen aus den Reisen der Mitwirkenden aus. Neben der Mobilität arbeitet das Festival außerdem u.a. an Maßnahmen zum nachhaltigen Einsatz von Ressourcen.

 

Publikum und Mobilität

Bei allen Institutionen und Festivals ist die An- und Abreise des Publikums das mit Abstand relevanteste Handlungsfeld. Neben sinnvollen individuellen Maßnahmen etwa zur Verbesserung des Services für Radfahrer erfordern Optimierungen des ÖPNV allerdings übergreifende Strategien im Rahmen gesamtstädtischer Verkehrskonzepte.

 

Aktionstag in der Stadtbücherei 
Am 20. Juni 2024 wird in der Stadtbücherei ein erster Aktionstag Nachhaltigkeit stattfinden, um Besucherinnen und Besucher unter anderem über zentrale Ergebnisse der Klimabilanzen zu informieren und zu motivieren, eigene, persönliche Handlungsoptionen zu entwickeln.

 

Neuer Schwerpunkt Gemeinwohlorientierung

Nachhaltige Transformation in der Kultur ist nicht allein eine ökologische Herausforderung. Soziale und auch ökonomische Nachhaltigkeit spielen auch im Kulturbereich eine ebenso große und immer wichtiger werdende Rolle. Deshalb beschäftigt sich das Bündnis KlimaKultur seit Beginn des Jahres intensiver mit der Werte-Orientierung ihrer Kulturarbeit.

Zwischen Januar und März fanden zwei erste Kick-off-Workshops zur noch jungen Gemeinwohlökonomie (GWÖ) statt. Jetzt planen acht Kultureinrichtungen und Festivals ihre ganzheitliche Transformation mittels des 360°-Blick der Gemeinwohlbilanzierung in den Mittelpunkt ihrer Weiterentwicklung zu stellen. Auch hiermit wird das Bündnis KlimaKultur sicher bundesweit eine Vorreiterrolle einnehmen.

 

Top 2: Mayors for Peace: Fränkisches Netzwerk aktiviert

Wie zentral die Arbeit der Mayors for Peace ist, gerade in diesen Zeiten, zeigte sich auf dem ersten regionalen Online-Treffen der fränkischen Mayors for Peace-Mitgliedsstädte. Auf der Bundeskonferenz der Mayors for Peace im Jahr 2021 hatte die Geschäftsstelle der MfP in Hannover dazu aufgerufen, regionale Treffen auf Landesebene zu organisieren. Das erste Treffen organisierte Hannover für den Raum Niedersachsen und Bremen 2022, das nun als Vorbild für das von der Stadt Würzburg initiierte Treffen bildete. Am 14. März lud Oberbürgermeister Christian Schuchardt seine Amtskolleginnen und -kollegen in den fränkischen Mayors for Peace-Mitgliedsstädten zu einem Online-Austausch ein. Es nahmen insgesamt 17 Oberbürgermeister, Bürgermeister und Mitarbeitende der Stadtverwaltungen aus insgesamt 12 Städten teil.

Ziel des Treffens war es, sich mit den anderen fränkischen Mitgliedsstädten über verschiedene Initiativen und Projekte von Mayors for Peace zu informieren, auszutauschen und neue Ideen zu gewinnen. Würzburg ist seit März 1992 Teil dieses weltweiten Netzwerkes, das sich für eine friedliche Welt, eine Welt ohne Atomwaffen, einsetzt. Zur Mission von Mayors for Peace gehört es ebenfalls, sich für ein friedliches Miteinander in den Städten einzusetzen und zur städtischen Vernetzung anzuregen. Mittlerweile gehören der Vereinigung über 8000 Städte und Gemeinden in 166 Ländern an. Allein in Deutschland gibt es derzeit 887 Mitgliedsstädte.

In seinem Grußwort erinnerte Oberbürgermeister Christian Schuchardt an die verheerenden Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki: „Das Leid, das der Bevölkerung dieser beiden Städte dadurch widerfahren ist, ist unvorstellbar und macht auch nach all den Jahren noch betroffen. Umso wichtiger ist es, dass wir durch kleine und große Aktionen immer wieder für die atomare Abrüstung eintreten und uns vor Augen führen, dass sich ein solches Leiden wie vor bald nun 80 Jahren in Nagasaki und Hiroshima nie wiederholen darf.“

Dr. Sabine Meschkat-Peters von der Geschäftsstelle der Mayors for Peace in Hannover informierte über geplante Aktionen wie die Executivkonferenz im November in 2024 und gab einen Ausblick auf 2025, in dem die dritte Vertragsstaatenkonferenz zum Atomwaffenverbotsvertrag in New York, die Bundeskonferenz der deutschen Mayors for Peace stattfinden und dem 80. Jahrestag des Abwurfs der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki gedacht wird.

Katja Schröder, Büro Würzburg International, stellte vergangene Mayors for Peace-Aktionen der Stadt Würzburg vor und verwies in ihrem Ausblick auf 2024, dass der Oberbürgermeister Nagasakis, Shiro Suzuki, seinen Antrittsbesuch in Würzburg plant. Im Rahmen des Besuchs soll es ebenfalls eine gemeinsame Mayors for Peace-Aktion in Würzburg geben.

Die Teilnehmenden aus dem Austausch einigten sich auf eine Fortführung in regelmäßigen Abständen, um bei gemeinsamen Aktionen eine größere Reichweite zu erzielen.

 

Top 3: Firmen gehen freiwillig einen Schritt weiter

Viele Umweltstandards im Bereich der Wirtschaft sind gesetzlich fest verankert, Bürgermeister Martin Heilig sagte nun Dankeschön bei drei Würzburger Unternehmen und einer Initiative, die in Sachen Umwelt- und Klimaschutz freiwillig noch eine Schippe drauflegen.

Dr. Stefan Müssig, 1. Vorsitzender des Förderkreis Umweltschutz Unterfranken, die Geschäftsführer Sebastian und Christian Thiel von No.1 Dienstleistungen Thiel, Geschäftsführer Olaf Brückl von der Brückl GmbH und Alexander Bengel Geschäftsführer der Oskar Seus GmbH & Co KG nahmen Urkunden und Plaketten des Freistaats Bayern entgegen. Seit 1995 bestätigt das Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz Firmen, die sich freiwillig einem zusätzlichen Anforderungskatalog unterwerfen im Rahmen des „Umwelt- und Klimapakts Bayern“ ihre Pionierarbeit öffentlichkeitswirksam.

Bürgermeister Martin Heilig übernahm für Minister Thorsten Glauber die Verleihung der Urkunden vor Ort und betonte, dass die Stadt Würzburg auf dieses zusätzliche Engagement aus der Wirtschaft angewiesen ist, um die ambitionierten Ziele fürs gesamte Stadtgebiet zu erreichen. In allen vier Fällen – beim Förderkreis wie bei den Fachfirmen für Gebäudereinigung und bei den zwei Maler- und Lackierermeister-Betrieben – handelt es sich um „Überzeugungstäter“, die bereits zum wiederholten Male für drei Jahre am Pakt teilnehmen. Man setzt auf umweltfreundliche Materialen, spart Wasser und Strom, verringert den CO2-Ausstoß des Fuhrparks oder erarbeitet branchenspezifische Umweltkonzepte. Unter den vielen Einzelmaßnahmen ist eine Leistung sicher besonders erwähnenswert: es gelang der Firma Oskar Seus GmbH & Co KG ein kompletter Umstieg des Fuhrparks auf Elektromobilität. „Solch ein nachhaltiges Handeln wollen wir anerkennen und promoten. Sie können für andere Unternehmen ein Vorbild sein“, stellte Heilig fest.

Die mit dem Label attestierte Innovationsfreudigkeit bringe in vielen Fällen letztlich auch Kostenersparnisse, betonte Heilig – am Beispiel der Umrüstung auf LED-Technik. Das Gesamtbündel der umgesetzten Maßnahmen belege generell, dass sich die nun Ausgezeichneten aktuellen Herausforderungen und Techniken gegenüber aufgeschlossen zeigen und besonders nachhaltig arbeiten. Dies könne auch in Zeiten des Fachkräftemangels im Wettstreit um neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein großer Pluspunkt sein.

Bilder: „Urkunden Umwelt- und Klimapakt“ Ökologische Selbstverpflichtung: Geschäftsführer Olaf Brückl, Sebastian und Christian Thiel von No.1 Dienstleistungen Thiel, Bürgermeister Martin Heilig und Dr. Stefan Müssig, 1. Vorsitzender des Förderkreis Umweltschutz Unterfranken bei der Urkundenverleihung im Rahmen des Programms „Umwelt- und Klimapakt Bayern“. Foto: Georg Wagenbrenner