Top 1: Genozid an Sinti und Roma jährt sich zum 80. Mal
„Die ermordeten Sinti und Roma – allein in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 waren es bei der Auflösung des Auschwitz Lagerabschnitts 4.300 Opfer – haben nicht im globalen Nirwana gelebt, sondern waren natürlich alle irgendwo verwurzelt und heimisch, auch hier bei uns in Würzburg“, erinnerte Oberbürgermeister Christian Schuchardt zusammen mit vielen Vertretern der Kirchen und der Politik an dieses Massaker vor 80 Jahren im Besonderen, aber auch an frühere, wie auch sehr aktuelle Formen des Antiziganismus.
Für Würzburg gab Schuchardt der großen Opferzahl ein Gesicht und erinnerte exemplarisch an das Unrecht, dass Theresa Winterstein im Nationalsozialismus erleben musste. Seit dem vergangenen Jahr trägt eine Straße im Frauenland ihren Namen und erinnert somit auch an rassistische Verbrechen, die von Medizinern verübt wurden. Zur Lebensgeschichte von Theresa Winterstein gehört zudem der lange Kampf um eine Entschädigung für das erfahrenen Unrecht. Erst 1982 gestand die Bundesrepublik Sinti und Roma eine finanzielle Wiedergutmachung zu.
Schuchardt blickte aber nicht nur zurück, sondern warnte auch vor Diskriminierungen und Anfeindungen in der Gegenwart. Die neu eingerichtete Meldestelle MIA dokumentierte für das Jahr 2022 bundesweit 621 antiziganistische Vorfälle. Der schwerste Vorfall war ein Druckluftwaffengebrauch gegen mehrere Betroffene im Saarland. Gegen diese Taten müsse man Zeichen setzen, betonte Schuchardt. Ihn stimme zuversichtlich, dass in Würzburg regelmäßig viele Menschen gegen Hass und für ein buntes Würzburg auf die Straße gehen.
Michelle Berger, Vorstandsmitglied im Verband Deutscher Sinti und Roma (Landesverband Bayern), hob in ihrer Ansprache hervor, dass sie sich besonders über die Anwesenheit des Zentralratspräsidenten der Juden in Deutschland Dr. Josef Schuster freue. Schon vor fünf Jahren hätte es auf der zentralen Gedenkveranstaltung mit ihm und weiteren prominenten Vertretern der Glaubensgemeinschaften das starke Zeichen gegeben, dass Juden, Roma und Sinti aufgrund der gemeinsamen Geschichte und Erfahrungen viel verbindet. Entsprechend besorgt sieht Berger auch auf die Zahlen zu antisemitischen Taten und der neuen Bedrohungslage nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 8. Oktober auch in Deutschland. All diese Taten seien Angriffe auf den Rechtstaat und Angriffe auf Minderheiten, denen diese geschlossen begegnen wollen. Insbesondere im Internet zeige sich leider, dass einige Formen des Hasses bereits in der Mitte der Gesellschaft angekommen wären.
Nach den Reden begleiteten eine Delegation der Katholischen Kirche um Weihbischof Paul Reder, Bürgermeister Martin Heilig, Bürgermeisterin Judith Roth-Jörg, Dekan Dr. Wenrich Slenczka, zahlreiche Stadträte, Mitglieder von Sant’Egidio und viele weitere Bürgerinnen und Bürger Würzburgs Schuchardt und Berger zur Kranzniederlegung am Mahnmal in der Mitte des Paradeplatzes hinter dem Würzburger Dom.
Top 2: Der Hafensommer 2024 – ein voller Erfolg
Mit einem fulminanten Konzert vor ausverkaufter Freitreppe endete am Sonntagabend der Würzburger Hafensommer 2024. Die zehnköpfige Brassband Moop Mama aus München wusste mit ihrer Mischung aus Brass und Rap das Publikum mitzureißen und über 90 Minuten in Ekstase zu versetzen. Die Band mit Frontfrau Älice lieferte eine explosive Mischung aus Tiefgang und Euphorie am Alten Hafen und bot so einen grandiosen Abschluss für die insgesamt 17 Veranstaltungstage.
Fast 14.000 Besucherinnen und Besucher waren 2024 gekommen – das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Hafensommers. Viele ausverkaufte Abende mit bis zu 1.200 Festivalgästen sorgten für eine ausgelassene Stimmung und beschwingte Atmosphäre. Dieses Jahr auch mit bestem Sommerwetter.
Vor der einmaligen Kulisse des illuminierten Hafengeländes standen u.a. Weltmusik, Pop, Klassik, Rock, Liedermacher und Rap auf dem Programm und boten für jeden Geschmack und jede Altersgruppe Bekanntes, Neues, aber auch Überraschendes.
Für Familien wurde zum ersten Mal an zwei Sonntagen Konzertprogramm geboten. Flankiert wurden diese durch ein vielfältiges und buntes Angebot am Kinderkulturfest und durch Stände des Stadtjugendrings sowie Würzburg KUlturS e.V..
Großen Anklang fanden auch in diesem Jahr die kostenfreien Veranstaltungen wie der Junge Hafen by Sparda für Schulklassen am Vormittag und mit jungen Konzerten im Abendprogramm. Letzteres wurde mit der regionalen, soziokulturellen Initiative Kapitel Zwei und einer Kunstinstallation von Lino Neumann vom AtelierKlub ergänzt. Ausgesprochenes Lob gab es für die Begleitung von mehreren Konzerten durch Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetscher.
„Als städtisches Festival haben wir den Auftrag, ein vielfältiges Programm für die gesamte Stadtgesellschaft anzubieten, gleichzeitig aber auch Gäste anzulocken und dabei ökonomische Rahmenbedingungen einzuhalten; und für die Zukunft ökologische Standards zu setzen. Das ist uns mit Blick auf die Resonanz unserer Veranstaltungen auch in diesem Jahr wieder gelungen und war eine Gemeinschaftsleitung vom ganzen Festivalteam“, so Klaus Heuberger, Leiter des Fachbereiches Kultur.
Schon bald beginnen die Planungen für den kommenden Hafensommer, der am 25. Juli 2025 starten wird. Informationen zu den Konzerten im nächsten Jahr werden über die Website veröffentlicht: www.hafensommer-wuerzburg.de.


