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Stadt Würzburg organisiert Spielgruppen (nicht nur) für ukrainische Kinder

„Sie brauchen unbedingt Ablenkung“

- Würzburg -

In städtischen Notunterkünften, darunter in Pleichach-, Kürnach- und Dürrbachtalhalle, leben derzeit etwa 180 Ukrainerinnen und Ukrainer, geschätzt ein Drittel sind Kinder. Sie haben Krieg, Zerstörung und Flucht hinter sich und sind nun zwar in einem geschützten Raum, aber noch lange nicht angekommen. Damit gerade die Kleinsten ein wenig Normalität erleben können, organisiert der Fachbereich Jugend und Familie in fünf Stadtteilen Spielgruppen für Ein- bis Zehnjährige. Diese Gruppen finden sich sowohl in den Hallen, direkt bei den Kindern, aber auch an neutralen Orten wie Jugendzentren, Gemeinderäumen oder in Kirchengemeinden. Mit diesem Konzept sollen die Kinder in einem ersten Schritt in Nähe der Eltern beschäftigt werden und in einem zweiten Schritt gemeinsam mit den Eltern sich auch in den Stadtteil zum Spieltreff wagen. „Ganz bewusst stehen die Spielgruppen allen, die im Stadtteil leben, offen, genauso wie den ukrainischen Kindern, die bereits mit ihren Müttern in dezentralen oder privaten Unterkünften wohnen. Wir hoffen schon an dieser Stelle auf ein Miteinander von Einheimischen und Geflüchteten“, erläutert Monika Kraft, die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Jugend und Familie. Die Ukrainerinnen und Ukrainer können sich dadurch ein Stück weit im Stadtteil aufgehoben fühlen, können Kontakte zu einheimischen Müttern und Kindern knüpfen und fassen so leichter Fuß. Bis Anfang Mai sollen die Spielgruppen in den fünf Stadtteilen Heuchelhof, Heidingsfeld, Lengfeld, Versbach und in der Innenstadt etabliert sein.

 

In Versbach wird bereits an jedem Dienstag- bis Donnerstagvormittag gebastelt, gemalt, gespielt. Die Spielsachen stammen aus städtischen Kitas, die für die ukrainischen Kinder gesammelt wurden. Zwei ehrenamtliche Frauen, die sich in der Freiwilligenagentur gemeldet hatten, stehen den Kindern in Versbach als Betreuerinnen zur Verfügung, Stephanie Stahl, die Erfahrung in der Leitung von Kindergruppen hat, und Studentin Alina Möller:Mich haben der Krieg und die Flucht der Mütter mit ihren Kindern sehr mitgenommen und wollte unbedingt helfen“, sagt sie, während sie Ausmalmotive und bunte Stifte vor den drei kleinen ukrainischen Kindern ausbreitet. In Versbach arbeiten die beiden Ehrenamtlichen parallel: Stephanie Stahl bietet im Gemeinderaum der evangelisch-lutherischen Hoffnungskirche Gelegenheiten zum Malen, Spielen, Spaß haben und Alina Möller sitzt im Freien vor der Pleichachtalhalle und drückt den Kindern Stifte und Straßenkreide in die Hand. Planbar ist es nicht, wie viele Kinder in die Spielgruppe kommen. Mal sind es drei, mal zwei, mal mehr, mal weniger. Wer kommt, macht mit. Dass der Bedarf dafür da ist, beweist die Begeisterung der Kleinen, die sich gleich auf Papier und Stifte stürzen. Dies berichtet auch die gelernte Erzieherin Karin Scholz-Kandzia aus dem Fachbereich Jugend und Familie. Sie organisiert die Spielgruppen und arbeitet eng mit den Ehrenamtlichen zusammen, die sich vor Ort mit den Kindern beschäftigen. „Am ersten Tag sind wir spontan ins Freie gezogen und die Kinder stürzten sich wie ausgehungert auf die Ausmalbilder“, berichtet Scholz-Kandzia. „Sie brauchen unbedingt die Ablenkung.“ Die kann vielfältig und jedes Mal anders sein: „Wir vertrauen auch auf die Mitarbeit der ukrainischen Mütter. Wir setzen ihnen nicht einfach ein Angebot vor die Nase, sondern haben einen partizipatorischen Ansatz“, sagt Monika Kraft.

Auch ältere Kinder werden in den Hallen beschäftigt: Der Fotoclub macht gemeinsam mit den Jugendlichen Fotos, die irgendwann in einer Ausstellung gezeigt werden sollen, WiMu bietet Musikunterricht und weiteres. Neu muss das Rad nicht erfunden werden, es gibt in jedem Stadtteil ausreichend Angebote, auf die die ukrainischen Familien hingewiesen werden. Der Wunsch ist, sie in bestehende Strukturen einzubinden, beispielsweise auch in den sieben Familienstützpunkten im Stadtgebiet. Hier gibt es Spiel- und Krabbelgruppen, Lerntreffs für Grundschüler und wertvollen Austausch unter Müttern.

 

Warum Spielgruppe und nicht Kindergarten?

Die Spielgruppen sind vorrangig ein Angebot für Kindergarten- und Kleinkinder, die nicht in Kindertagesstätten aufgenommen werden können. „Schule und Kita sind nicht vergleichbar aufgrund festgeschriebener Personal-Kind-Schlüssel“, erklärt Monika Kraft: Ab 16 Schülerinnen und Schülern wird eine Grundschulklasse gebildet, im Durchschnitt werden in Bayern derzeit 21,2 Grundschülerinnen und Grundschüler in einer Klasse beschult. Da die Klassen für bis zu 28 Schülerinnen und Schüler ausgelegt sind, ist es möglich, ukrainische Kinder aufzunehmen. Gruppen in Kindertagesstätten sind hingegen mit 25 Kindern oder Kleinkindgruppen mit 12 Kleinkindern „rappelvoll“, wie Monika Kraft sagt: „Die pädagogischen Fach- und Ergänzungskräfte in den Gruppen können nicht 28 Kinder im Vorschulalter beschäftigen. Das ist nicht machbar.“ Fehlende Fachkräfte, Kündigungen während der Coronakrise wie auch fehlende Räumlichkeiten tragen dazu bei, dass Wartelisten für KiTas, auf denen schon länger einheimische Kinder stehen, eher noch länger werden – trotz Ausschöpfens einer maximal möglichen Überbelegung von zehn Prozent. Daher sind in den Würzburger KiTas aktuell keine freien Plätze für ukrainische Kinder vorhanden. „Wir möchten aber den Familien und Kindern bestmöglich helfen und zur Seite stehen. Aus diesem Grund entstand das Angebot der Spielgruppen“, so Monika Kraft. Weitere Ideen zur Kinderbetreuung sind, auch gemeinsam mit ehrenamtlichen Gruppen, in Planung.

Da die Kinderbetreuung durch die Ehrenamtlichen über das Spendenkonto der Stadt Würzburg finanziert wird, sind Spenden willkommen: Sparkasse Mainfranken Würzburg, IBAN: DE92 7905 0000 0042 0000 67, BIC: BYLADEM1SWU Verwendungszweck (bitte unbedingt angeben): 0.4980.1781 Flüchtlingshilfe Ukraine in Würzburg. Zuwendungsbestätigungen können nur erstellt werden, wenn die Anschrift des Spenders im Verwendungszweck der Zahlung angegeben ist.

 

Orte und Termine:

Versbach: Dienstag bis Donnerstag, 9.00 Uhr - 11.30 Uhr, Hoffnungskirche, Unt. Heerbergstr. 2

Lengfeld: Montag, Mittwoch und Freitag, 10.00 Uhr - 12.00 Uhr, Laurentiusstr.6

Altstadt: Montag bis Freitag 9.00 Uhr - 11.30 Uhr, CVJM, Wilhelm-Schwinn-Platz 2

Heuchelhof und Heidingsfeld noch in Planung

BU1: Stephanie Stahl im Gemeindehaus der Hoffnungskirche in Versbach. Hier ist ein Spielpunkt für ukrainische und einheimische Kinder untergebracht. Dienstags bis donnerstags steht hier die Türe für alle Kinder von 9 bis 11:30 Uhr offen.

BU2: Alina Möller und drei ukrainische Kleinkinder an der Pleichachtalhalle. Fotos: Claudia Lother