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UKW Würzburg informiert

Top 1: Welche medizinischen Themen beschäftigen den Deutschen Ethikrat? - Top 2: 20 Jahre Würzburger Stammzelltransplantationszentrum: Innovative Zelltherapien in der Region verankert - Top 3: Zur Vorlesung an den Rechner oder in den Hörsaal? Kommt darauf an!

Top 1: Gastreferent des 15. Ethiktags am Uniklinikum Würzburg war Dr. Josef Schuster. Als Mitglied des Deutschen Ethikrats gab er Einblicke in die Arbeit des Gremiums und positionierte sich zu vielen medizinischen Ethikfragen.

 Würzburg. Das Klinische Ethikkomitee (KEK) des Uniklinikums Würzburg (UKW) organisiert einmal im Jahr seinen Ethiktag. Die diesjährige, 15. Neuauflage der öffentlichen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung fand am 30. Juni 2025 statt. Rund 200 Teilnehmende kamen in den Hörsaal des Rudolf-Virchow-Zentrums auf dem Klinikumscampus an der Würzburger Josef-Schneider-Straße, um die Ausführungen von Dr. Dr. h.c. Josef Schuster als Mitglied des Deutschen Ethiktags zu hören. Im Zentrum standen dabei die medizinischen Themen, mit denen sich das bekannte Gremium aktuell beschäftigt – oder in der jüngeren Vergangenheit beschäftigt hat.

Einleitend beschrieb Privatdozentin Dr. Elisabeth Jentschke die Aufgaben und die Struktur des von ihr geleiteten KEK. Dem unabhängigen Komitee gehören Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Berufsgruppen am UKW an. Auf Wunsch beraten sie bei ethischen Fragen in der Patientenversorgung und im Arbeitsalltag.

„Wo Medizin auf das Leben trifft, ist Ethik immer im Raum“, unterstrich Prof. Dr. Tim J. von Oertzen in seiner Begrüßungsansprache. Der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKW fuhr fort: „Ethische Fragestellungen sind daher keine Randthemen, sondern integraler Bestandteil ärztlicher und pflegerischer Praxis – und werden es in Zukunft noch in viel höherem Maße sein. Nicht nur, weil die Möglichkeiten der modernen Medizin zunehmen, sondern auch, weil sich gesellschaftliche Vorstellungen von Krankheit, Gesundheit, Autonomie und Verantwortung verändern.“

 

Mediziner und Vertreter des jüdischen Glaubens

Der Deutsche Ethikrat gibt mit seinen Stellungnahmen und Empfehlungen Orientierung für Gesellschaft und Politik. Dr. Josef Schuster (Jahrgang 1954) gehört der Einrichtung seit dem Jahr 2020 an. Der Würzburger Internist und Notarzt ist bundesweit bekannt als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er vertritt im Ethikrat nicht nur eine Perspektive als Mediziner, sondern fungiert auch als Vertreter des jüdischen Glaubens und dessen ethischen Vorstellungen.

 

Kritischer Blick auf die Stellungnahme zur Corona-Pandemie

In seiner ersten Amtsperiode im Ethikrat zwischen 2020 und 2024 zählte die Corona-Pandemie zu den zentralen Themen. Dabei erarbeitete der Rat im Jahr 2020 eine mit über 300 Seiten ungewöhnlich umfangreiche Stellungnahme. „Damals wurden viele Perspektiven der Bundesregierung positiv bewertet“, berichtete Dr. Schuster in seinem Vortrag. Retrospektiv müsse man aber immer auch den damaligen Kenntnisstand berücksichtigen. „Wir wissen heute alle, dass einige der Dinge, die im Rahmen der Pandemie auch gesetzgeberisch veranlasst wurden, wohl deutlich über das Ziel hinausgeschossen sind“, unterstrich der Referent. Besonders überraschend und erschreckend sei für ihn persönlich in der Folge gewesen, wie sehr speziell die Jugendlichen psychisch unter Maßnahmen wie Home Schooling und Kontaktbeschränkungen gelitten hätten.

Eine weitere Stellungnahme seiner ersten Amtsperiode beschäftigte sich mit der Mensch-Maschine-Interaktion. Für Dr. Schuster war hier die entscheidende Aussage: Künstliche Intelligenz ist segensreich, aber das letzte Wort muss immer der Mensch haben.

 

Aktuell: Diskussion um Gestaltung und Finanzierung der Pflege

Im Januar 2025 entschied der Ethikrat, sich intensiv mit dem Wohl pflegebedürftiger Menschen und ihrer Pflegenden auseinanderzusetzen – sowohl in Heimen als auch in der häuslichen Pflege. „Dabei geht es zum einen um den Mangel an pflegenden Personen und zum anderen um Finanzierungsfragen“, schilderte Josef Schuster. Nach seinen Worten wird im Ethikrat aktuell sehr kontrovers diskutiert, wie man sich zu Vollzeitkräften in der häuslichen Pflege, die meist aus osteuropäischen Ländern kommen, stellen soll. „Kritiker sehen hier eine Form der Ausbeutung. Außerdem würden durch diese Praxis Menschen aus ihren Heimatländern abgezogen, in denen auch ein Pflegebedarf besteht“, so der Mediziner. Aus eigenen Beobachtungen heraus empfindet er dieses Modell für finanziell entsprechend Ausgestattete als sinnvoll und für die Pflegenden in der Regel als fair. Außerdem funktioniere die häusliche Pflege in den Herkunftsländern trotz der „Abwanderung“ in Länder wie Deutschland nach wie vor gut.

Das weitaus größere Problem ist für ihn die Finanzierung. Er rechnete vor: „Bei der 1995 gestarteten Pflegeversicherung lag der Beitrag für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei 0,3 Prozent des Gehaltes. Inzwischen müssen drei Arbeitnehmer eine pflegende Person finanzieren und die Demographen sagen für 2040 ein Verhältnis 2:1 voraus. Das bedeutet, dass dann 5,3 Prozent des Gehalts erforderlich sind, in 2060 bei gleichen Voraussetzungen wie heute 8,5 Prozent. Das ist ein Problem, um dessen Lösung ich die Politik nicht beneide.“ Der Ethikrat werde sich in den kommenden Wochen und Monaten damit befassen, wie das Ganze vielleicht auf bessere, gesündere Füße gestellt werden könne.

 

Persönliche Standpunkte zu vielen weiteren Themen

In der auf seinen Vortrag folgenden Diskussion mit dem Moderator Andreas Jungbauer und dem Auditorium wurden Standpunkte des Experten zu vielen weiteren ethischen Herausforderungen abgefragt. Hier einige Beispiele:

Bei der Organspende würde Dr. Schuster die Widerspruchslösung mitgehen. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die jüdische Ethik mittlerweile Organspende erlaubt.

Was das Problem der zukünftigen Finanzierbarkeit medizinischer Leistungen angeht, sagte das Ethikrat-Mitglied: „Nicht alles, was gut tut, wird finanzierbar bleiben. Man muss das aktuelle Leistungsspektrum kritisch hinterfragen, was ist im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtig und was zwar das Wohlbefinden steigert und vielleicht nicht lebenswichtig ist.“ Dem zum Beispiel in Großbritannien verfolgten Konzept, das Lebensalter als Kriterium für die Verfügbarkeit bestimmter medizinischen Versorgungsleistungen wie künstliche Hüftgelenke heranzuziehen, erteilte Dr. Schuster eine klare Absage.

Auch beim ärztlich assistierten Suizid hat Dr. Schuster im Einklang mit der jüdischen Ethik eine eindeutige Haltung: Es steht dem Menschen nicht zu, das Leben zu beenden – egal wie, egal mit welchen Maßnahmen. In diesem Zusammenhang bedankte sich Dr. Elisabeth Jentschke für ein entsprechendes Positionspapier des Deutschen Ethikrats. „Es darf nicht sein, dass sich Menschen, die glauben, gesellschaftlich nichts mehr wert zu sein, subtil zum ärztlich assistierten Suizid gedrängt fühlen“, betonte die Leiterin des KEK.

 

Hohe Anerkennung für die Arbeit des Klinischen Ethikkomitees

Auf die Frage, wie er insgesamt die Bedeutung der Arbeit des Deutschen Ethikrats beurteile, sprach Dr. Schuster von seiner Empfindung eines eher mäßigen Einflusses des Gremiums – insbesondere auf die Politik. Im Vergleich schätzte er die Wirksamkeit eines Klinischen Ethikkomitees als bedeutend höher ein: „Hier geht es um konkrete Fragen, die sich im Klinikalltag ergeben. Die Bedeutung des KEK wird vor dem Hintergrund der steigenden medizinischen Möglichkeiten weiter steigen.“

 

Top 2: Vor 20 Jahren wurde das Zentrum für Stammzelltherapie am Uniklinikum Würzburg ins Leben gerufen. Heute zieht es als etabliertes Behandlungszentrum für Zelltherapien Patientinnen und Patienten aus ganz Deutschland und dem Ausland an. Neben der klassischen Eigen- und Fremdtransplantation werden dort viele neuartige Behandlungswege angeboten.

Die Medizinische Klinik II und die Kinderklinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) betreiben seit 20 Jahren ein gemeinsames Zentrum für Transplantationen von Blutstammzellen. Die dabei eingesetzten Zellen lassen sich zum einen aus dem Blut oder dem Knochenmark der Patientinnen und Patienten selbst gewinnen – man spricht dann von „autolog“. Zum anderen können bei der „allogenen“ Stammzelltransplantation Zellen eines Spenders genutzt werden.

 

Allogene und autologe Stammzelltransplantationen im Einsatz

„Bei der Versorgung der Erwachsenen liegt das Hauptaugenmerk bei der allogenen Stammzelltransplantation auf bösartigen Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems, wie zum Beispiel akute Leukämien oder Lymphome“, beschreibt Prof. Dr. Hermann Einsele. Der Direktor der Medizinischen Klinik II fährt fort: „Einen besonderen Schwerpunkt bei der autologen Stammzelltransplantation stellt in Würzburg in den letzten Jahren das Multiple Myelom dar.“

Leukämien spielen auch bei Kindern und Jugendlichen eine große Rolle. „Darüber hinaus wird die Blutstammzelltransplantation durch die zunehmende Verfahrenssicherheit gerade bei jungen Patientinnen und Patienten mehr und mehr auch für nicht-bösartige Bluterkrankungen angewandt“, verdeutlicht Prof. Dr. Matthias Eyrich, der die Stammzelltransplantationen an der Kinderklinik des UKW leitet. Neu ist nach seinen Worten zudem, dass die Blutstammzelltransplantation häufig mit anderen Immuntherapien kombiniert wird.

Für die allogene Stammzelltransplantation wird idealerweise ein Spender benötigt, der in allen Gewebemerkmalen mit der Patientin oder dem Patienten übereinstimmt. In Deutschland haben sich derzeit mehr als zehn Millionen potenzielle Stammzellspenderinnen und -spender registrieren und ihr Blut typisieren lassen, weltweit sind es 41 Millionen. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender zu finden, liegt bundesweit bei über 90 Prozent. „Sollte sich dennoch kein perfekter Spender finden, sind wir in der Lage, suboptimale Spender-Stammzellen unter Reinraumbedingungen aufzubereiten – eine Leistung, die nur sehr wenige Zentren in Deutschland erbringen können“, schildert Prof. Eyrich.

Pro Jahr führen die „Med II“ und die Kinderklinik zusammen rund 120 allogene Stammzelltransplantationen durch. Bei den autologen sind es jährlich bis zu 200 – ein bundesweiter Spitzenwert.

 

Zelluläre Immuntherapie im Kommen

Im Jahr 2019 wurden die Transplantationsaktivitäten durch das Zentrum für zelluläre Immuntherapie (ZenITh) erweitert, das die Entwicklung innovativer Behandlungswege vorantreibt. Beispielsweise die CAR-T-Zell-Therapie: Hierbei werden körpereigene T-Lymphozyten der Patientin oder des Patienten im Labor mit einem künstlichen „chimären“ Rezeptor für Tumorzellen versehen. Die Abkürzung CAR steht daher für „Chimärer Antigen-Rezeptor“. „Der neue Rezeptor ermöglicht es den T-Lymphozyten, in vorher ungekannter Weise gegen Leukämiezellen aktiv zu werden“, schildert Prof. Dr. Michael Hudecek, einer der Experten für Zelluläre Immuntherapie am UKW. Mittlerweile ist die CAR-T-Zelltherapie als fester Bestandteil der Leukämie- und Lymphombehandlung etabliert. Auch für an Multiplem Myelom Erkrankte bietet sie eine neue Chance. Laut Prof. Hudecek ist es zudem möglich, die CAR-T-Zelltherapie mit der Blutstammzelltransplantation zu kombinieren.

Die Medizinische Klinik II führt vornehmlich auf der Station M41 pro Jahr rund 100 CAR-T-Zelltherapien an erwachsenen Patientinnen und Patienten durch, jährlich etwa fünf weitere Anwendungen kommen durch die Kinderklinik dazu. „Mit diesen Zahlen und der dazugehörigen Expertise ist das UKW das führende CAR-T-Zell-Zentrum in Europa“, zeigt sich Prof. Einsele stolz.

 

Starthilfe durch außergewöhnliche Spendenaktion

Startpunkt des Zentrums für Stammzelltransplantationen war die Einweihung eines Neubaus auf dem Klinikumscampus an der Josef-Schneider-Straße im Jahr 2005. Die Kosten des 7,3 Millionen Euro teuren Gebäudes D30 teilten sich das Land Bayern und die Bundesrepublik Deutschland hälftig. Die Finanzierungszusage des Freistaats wurde durch eine außergewöhnliche Spendenaktion angestoßen. Dabei leistete die von der Würzburger Geschäftsfrau Gabriele Nelkenstock ins Leben gerufene „Aktion Stammzelltherapie“ wesentliche Starthilfe. Ihrer Bürgerbewegung gelang es, in Zusammenarbeit mit Christel Lochner, der Vorsitzenden der Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg e.V., mit vielen Aktionen über 500.000 Euro – damals über eine Million D-Mark – in der Region zu sammeln. „Diese Erfolgsgeschichte war nur möglich, weil seinerzeit Bürgerschaft und Politik, namentlich der bayerische Landtagsabgeordnete Manfred Ach, am gleichen Strang zogen“, erinnert sich Nelkenstock.

 

Zellbearbeitung im eigenen Labor

Bereits damals wurde Wert darauf gelegt, dass im Zentrum auch die Möglichkeit zur eigenen Zellbearbeitung gegeben ist. Das GMP-Zelltherapielabor – so der heutige Name – ist mittlerweile ein überregionaler Versorger für Stammzellpräparate und stattet andere deutsche Universitätsklinika mit für einzelne Patientinnen und Patienten maßgeschneiderten Präparaten aus. Des Weiteren fungiert das Labor als wichtige Logistik-Drehscheibe für CAR-T-Zellen. „Um dem zunehmenden Bedarf und den neuen Technologien Rechnung zu tragen, soll im Herbst 2025 ein weiteres Reinraum-Labor am UKW eröffnet werden. Damit erhalten wir erstmals die Möglichkeit, selbst CAR-T-Zellen für klinische Studien herzustellen“, freut sich Prof. Eyrich, der das GMP-Labor leitet.

Nachdem die Erwachsenen- und die Kinder-Stammzelltherapie zunächst gemeinsam im Haus D30 untergebracht waren, ergab sich durch die Eröffnung des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) des UKW im Jahr 2009 für die Medizinische Klinik II die Möglichkeit, ihre entsprechenden Aktivitäten auf dortige Stationen zu verlagern. Während D30 – mit Ausnahme des GMP-Labors – heute alleinig von der Kinderklinik genutzt wird, betreibt die Med II unter Leitung von Privatdozent Dr. Daniel Teschner auf der Station M52 des ZIM ein Zentrum für allogene Stammzelltherapien. Die autologen Stammzelltransplantationen für Erwachsene finden auf den Stationen M 42 und 43 statt.

 

Aktuelle Forschungsschwerpunkte

Der Schwerpunkt der aktuellen Forschung liegt in der Weiterentwicklung der CAR-T-Zelltherapie – sowohl im optimalen Zusammenspiel mit der allogenen Stammzelltherapie als auch in der Ausweitung der Behandlungsindikationen von den Leukämien auf solide Tumoren. Solide Tumoren benötigen andere Zielstrukturen für die CAR-T-Zellen als Leukämiezellen und diese müssen in klinischen Studien validiert werden. „Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, das Überleben der CAR-T-Zellen im für sie ungünstigen Milieu des Tumors sicherzustellen. Hierzu laufen Anstrengungen, den Stoffwechsel und die Langlebigkeit der T-Zellen zu optimieren und auf die Bedingungen im Tumor anzupassen“, erläutert Prof. Hudecek.

Klinische Studien sind das wichtigste Instrument, um die Sicherheit und Wirksamkeit von neuen Therapiekonzepten zu dokumentieren. Beispielsweise wurde kürzlich am UKW eine erste Studie bei Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren erfolgreich beendet, während vor wenigen Wochen die erste eigene CAR-T-Zellstudie des Würzburger Uniklinikums bei Erwachsenen mit soliden Tumoren und Lymphomen an den Start ging.

Wie fest das Thema Zelltherapie am UKW verankert ist, zeigt sich auch in der Einrichtung neuer Professuren und Arbeitsgruppen. So wurde mit Prof. Hudecek an der Medizinischen Klinik II ein Lehrstuhlinhaber für die Entwicklung neuer CAR-T-Zelltherapien berufen, während an der Kinderklinik eine Arbeitsgruppe für CAR-T-Zellen bei kindlichen soliden Tumoren neu eingerichtet und mit Dr. Ignazio Caruana international besetzt wurde. Die Anschubfinanzierung der AG leistete die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg e.V.

„Mit der Summe dieser Entwicklungen ist sichergestellt, dass Patientinnen und Patienten aus der Region immer von den neuesten Therapiemöglichkeiten profitieren können“, fasst Prof. Eyrich zusammen.

 

Top 3: Wie entscheiden Studierende, ob sie online oder vor Ort an einer Lehrveranstaltung teilnehmen? Forscherinnen der Professor für Erwachsenenbildung/Weiterbildung der Uni Würzburg haben das untersucht.

 Während der Corona-Pandemie mussten deutsche Hochschulen schnell handeln: Vorlesungen und Seminare mussten online via Zoom angeboten werden. Nach den pandemiebedingten Lockdowns haben viele Dozierende synchron-hybride Lehr-Lern-Settings eingeführt. Dabei handelt es sich um Lehrveranstaltungen, an denen Studierende entweder vor Ort im Seminarraum oder zeitgleich online teilnehmen können.

Die Studierenden stehen somit jede Sitzung vor der Entscheidung, ob sie online oder vor Ort am Kurs teilnehmen möchten. Welche Faktoren die Entscheidung beeinflussen, haben drei Wissenschaftlerinnen der Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung am Institut für Pädagogik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) untersucht. Die Ergebnisse von Dr. Lisa Breitschwerdt, Christina Hümmer und Professorin Regina Egetenmeyer haben sie jetzt in der Fachzeitschrift Nature Higher Education veröffentlicht.

„Unsere Erkenntnisse zeigen, wie relevant synchron-hybride Lehrformate in der heutigen Hochschulbildung sind“, so Breitschwerdt. Diese Art der Lehre erweitere Teilnahmemöglichkeiten an Veranstaltungen und kann die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lernenden berücksichtigen.

 

Online oder vor Ort: Wie sich Studierende entscheiden

 Die Forscherinnen nutzten Daten aus Lehrveranstaltungsevaluationen und (Gruppen-)Interviews mit Studierenden des JMU-Masterstudiengangs „Bildungswissenschaft“ im Schwerpunkt Erwachsenenbildung/Weiterbildung als Grundlage. Der Zeitraum der Erhebung erstreckte sich über drei Semester und neun Lehrveranstaltungen.. Insgesamt 73 Studierende nahmen teil. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

 

  • Synchron-hybride Lehr-Lern-Settings bieten Flexibilität, die zur jeweiligen Lebenssituation der Studierenden passt: Dies spielt vor allem eine Rolle, wenn Wohn- und Studienort nicht identisch sind, Studierende einen Nebenjob ausüben oder sich um die Pflege von Familienangehörigen kümmern. Aber auch die individuelle Studienplanung und die Online-Teilnahme bei Erkrankung mit milden Symptomen sind wichtige Faktoren. Die Möglichkeit in solchen Situationen flexibel agieren zu können, begrüßen die Studierenden.
  • Individuelle Lern-Präferenzen spielen eine wesentliche Rolle: Studierende müssen reflektieren, unter welchen Bedingungen sie am besten lernen können. Die zum Zeitpunkt des Kurses jeweils abrufbaren eigenen Energiereserven beeinflussen auch die Entscheidung. Online-Teilnehmende müssen zwar ein größeres Verantwortungsbewusstsein für ihren eigenen Lernerfolg entwickeln, da sie ihre Lernumgebung zu Hause oder an einem anderen Ort selbst gestalten müssen. Hingegen geben Studierende vor Ort an, sich besser konzentrieren zu können, den Lernstoff besser zu verstehen und aktiver am Kurs teilzunehmen.
  • Beziehungen innerhalb der Lerngruppe beeinflussen die Entscheidung: Vor allem der Wunsch nach persönlichem Kontakt ist es, warum Studierende vor Ort im Seminarraum teilnehmen. Dort erleben sie die Möglichkeit des direkten, auch informellen, Austauschs mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen und können Gruppendynamiken, Mimik und Gestik sehr viel besser wahrnehmen als über die Kacheln eines Zoom-Meetings. Eine wichtige Rolle spielen auch Beziehungen innerhalb der Lerngruppe. Für welche Teilnahmeform sich andere Kurs-Teilnehmende entscheiden, beeinflusst die Befragten in ihrer Entscheidung.

 

Die Ergebnisse zeigen: Synchron-hybride Settings reagieren auf vielfältige Lebensrealitäten der Studierenden. Die Gründe für die Entscheidung für eine Teilnahme vor Ort oder online geben wichtige Hinweise für die künftige Gestaltung dieser Lehrformate.

 

Teil eines Projekts mit mehreren Standorten

 Die Studie ist Teil des Projekts DigiTaKS*, unter dessen Dach die JMU-Wissenschaftlerinnen synchron-hybride Lehr-Lern-Settings an Hochschulen entwickeln, pilotieren und erforschen. DigiTaKS* steht für „Digitale Schlüsselkompetenzen für Studium und Beruf – Entwicklung eines Modells zur transformativen digitalen Kompetenzentwicklung Studierender“. Das Projekt wird gefördert vom Zentrum für Digitalisierung- und Technologieforschung der Bundeswehr (dtec.bw) und von der Europäischen Union im Kontext „NextGenerationEU“ finanziert.

Neben der JMU-Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung sind daran beteiligt: die Professur für Weiterbildung und lebenslanges Lernen an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg (Projektleitung und Gesamtkoordination), die Professur für Erwachsenenbildung an der Universität Duisburg-Essen, die WeTeK Berlin gGmbH und das Institut für Angewandte Informatik an der Universität Leipzig. 

Bildunterschrift: Um synchron-hybride Lehr-Lern-Settings zu ermöglichen, braucht es medientechnisch ausgestattete Seminarräume. (Foto: Professur für Erwachsenenbildung / Universität Würzburg)

Bilder: Von links: Prof. Dr. Tim von Oertzen (Ärztlicher Direktor des UKW), PD Dr. Elisabeth Jentschke (Leiterin des Klinischen Ethikkomitees des UKW), Dr. Dr. Josef Schuster (Mitglied des Deutschen Ethikrats) und Andreas Jungbauer (Moderator). © Niko Natzschka

In seinem Vortrag umriss Dr. Josef Schuster die Struktur und die aktuellen Themen des Deutschen Ethikrats. © Helmuth Ziegler / UKW

Bild: Das GMP-Zelltherapielabor des Zentrums für Stammzelltherapie am Uniklinikum Würzburg versorgt Uniklinika in Deutschland mit Stammzellpräparaten. © Daniel Peter / UKW