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Weinbaupräsident Steinmann:

„Ohne Bewässerung der Steillagen ist der Klimawandel im Weinbau nicht zu bewältigen!“

MdL Halbleib und SPD-Fraktionschef Rinderspacher signalisieren Unterstützung

SOMMERHAUSEN Der in diesem Sommer mit Händen zu greifende Klimawandel und die Folgen für den fränkischen Weinbau standen im Mittelpunkt eines hochkarätigen Gesprächstermins zwischen dem Präsidenten des fränkischen Weinbauverbandes Arthur Steinmann und dem Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Markus Rinderspacher. Letzterer machte auf Einladung von Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib bei seiner Sommerradtour Station in Sommerhausen.

 

Der Weinbaupräsident prognostizierte den Politikern zwar einen außergewöhnlich guten Weinjahrgang, zugleich erfordere aber die besorgniserregende Trockenheit und der Temperaturanstieg in Unterfranken dringend und zügig Gegenmaßnahmen: „Ohne Bewässerung der Steillagen ist der Klimawandel im Weinbau nicht zu bewältigen!“ Temperaturrekordwerte wie in diesem Jahr hätten nicht nur einmalige Auswirkungen auf den Ertrag, sondern griffen den Holzstamm des Rebstocks an und könnten so langfristig die Qualität und Quantität der Ertragsleistung beeinträchtigen, so Steinmann. „Das ist der Unterschied zum Gemüse. Das kann jedes Jahr neu angepflanzt werden, Rebstöcke aber stehen über mehrere Jahrzehnte.“ Dr. Wolfgang Patzwahl, der als Weinbaufachmann den fränkischen Weinbau in Fragen der Bewässerung berät, geht davon aus, dass ungefähr 60 Prozent der fränkischen Rebflächen empfindlich auf den Anstieg der Temperaturen und der Trockenheit reagieren. Von den rund 140 verschiedenen Rebsorten weltweit gelten lediglich zehn in Franken als „marktrelevant“, vier davon seien trockenheitsempfindlich, darunter Müller-Thurgau und Silvaner, sechs trockenheitsgefährdet.

 

Für Steinmann und Patzwahl ist klar, dass die Bewässerung der Steillagen zwingend kommen muss, um den Weinbau auch weiterhin wie bisher zu ermöglichen. Ein vernünftiges Modell wäre die Entnahme von Wasser aus dem Main zu Starkwasserzeiten, die Zwischenspeicherung in Landschaftsseen und die Nutzung zu Hitzephasen im Sommer. Damit wären, so Experte Patzwahl, auch ökologische Vorteile verbunden. Die Tröpfchenbewässerung, die direkt an den Wurzeln der Rebstöcke verlegt wird, würde auch zu einer dauerhaften Begrünung der Rebflächen und einer höheren Bodenaktivität führen. Starkregen würde so im Boden versickern, statt Bodenerosion ins Tal zu schwemmen. Das käme dem Hochwasser- wie dem Trinkwasserschutz zu Gute.

 

Für Steinmann ist bei der Steillagenbewässerung die Zeit des Redens vorbei, wie er Rinderspacher und Halbleib deutlich machte: „Ein Zuwarten ist nicht vertretbar. Wir müssen endlich Nägel mit Köpfen machen und endlich Bewässerungsprojekte umsetzen. Dafür brauchen wir baldmöglichst ein klares Signal der finanziellen Unterstützung durch den Freistaat. Denn der einzelne Winzer ist damit überfordert.“ Das sei aber gut investiertes Geld, „denn die Winzer sind die Leuchttürme jeder Gemeinde. Sie beleben die Gemeinde, erhalten alte Gebäude und sorgen mit dem Weintourismus für inzwischen über drei Milliarden Euro Umsatz pro Jahr“, so der Weinbaupräsident. Deshalb seien die Kosten für Bewässerungsprojekte als Investition in die Region zu sehen. Steinmann plädierte für gemeinschaftliche Ansätze, ähnlich den Flurbereinigungen. Ein erster wichtiger Schritt sei, das Verbot, Bewässerungsprojekte in der Flurbereinigung zu finanzieren, endlich aufzuheben, so Steinmann,

 

Unterstützung für eine starke staatliche Förderung der erforderlichen Steillagen-Bewässerung signalisierten sowohl Halbleib wie auch SPD-Fraktionschef Rinderspacher: „Das muss und wird ein Schwerpunkt für den nächsten bayerischen Landtag. Wir brauchen ein gut ausgestattetes Sonderprogramm Bewässerung im fränkischen Weinbau“, machte Halbleib deutlich. Für den Oberbayern Rinderspacher ist klar: „Der Weinbau ist neben dem Erhalt der einzigartigen fränkischen Kulturlandschaft auch ein Garant für Wertschöpfung in Franken.“

Bewässerung im Weinbau: Artur Steinmann (links vorne), Volkmar Halbleib, Wolfgang Patzwahl und Markus Rinderspacher diskutierten. Foto: Erhan Erdogan