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wuerzburg-mitmachen.de

„Consul“ lädt zur Mitsprache ein

WÜRZBURG - Je mehr Mitspracherecht im Unternehmen, desto leistungsbereiter und zufriedener die Mitarbeiter. Übertragen lässt sich dieses Ergebnis aus Studien zur Mitarbeitermotivation problemlos auch auf andere Bereiche. „Die da oben“ verstehen nicht, „was wir hier unten möchten“ und „machen dann doch sowieso, was sie wollen.“ So oder ähnlich klingt Kritik, wenn es an einen Mangel an Mitbestimmung zu geben scheint. In Entwicklungsprozessen kann eine zu späte Mitbestimmungsmöglichkeit dazu führen, dass diese Prozesse am Ende wieder komplett in Frage gestellt werden müssen. Digitale Instrumente können bei der schnelleren, früheren und einfacheren Umsetzung von Beteiligungsprozessen hilfreich sein.

 

Die Pandemie befördert den Einsatz dieser Tools als Zusatzangebot zur Mitbestimmung. Würzburg nutzt dafür seit letztem Herbst die digitale Beteiligungssoftware „Consul“. „Consul“ wurde 2015 als Open-Source-Software entwickelt und wird aktuell bereits in 140 Städten weltweit genutzt, darunter New York, Madrid, Paris. Die Software wurde von der UN und der EU ausgezeichnet. Mittlerweile arbeiten 100 Millionen Menschen in 130 Institutionen und 34 Ländern mit der digitalen Bürgerplattform. Nach den Städten Detmold und Castrop-Rauxel setzt Würzburg diese Software als erste bayerische Stadt ein - was den Kommentar der Münchner Abendzeitung provozierte: „Würzburg, Paris und Madrid machen es vor“ (https://www.abendzeitung-muenchen.de/705192).

 

Fanden Bürgerbeteiligungen bislang in erster Linie in Form von Präsenzveranstaltungen statt, startete im Februar die Online-Bürgerbeteiligungsplattform „Mitmachen Würzburg“. An zwei Projekten, zum Katzenbergtunnel und zur Zukunft des südlichen Bischofshutes, haben sich bislang fast 1.000 registrierte Nutzer online beteiligt. Vier Wochen lang war es möglich, sich zu den Projekten auszutauschen, Ideen und Anregungen einzubringen und so die Zukunft der Heimatstadt mitzubestimmen. Ziel ist die aktive Einbindung der Bürgerinnen und Bürger bereits innerhalb der Planungsprozesse – und nicht erst vor Entscheidungsfähigkeit. „Wir möchten nicht an den Bürgerinnen und Bürgern vorbei planen und sie erst spät einbinden, sondern bereits in den Planungsprozessen ihre Meinungen hören, aufnehmen und wenn möglich, umsetzen. Bürgerversammlungen wird es, wenn Corona es erlaubt, weiterhin geben, damit alle Menschen ihr Mitspracherecht wahrnehmen können. Die digitalen Angebote wie wuerzburg-mitmachen.de aber erweitern den Kreis der Menschen noch, die sich beteiligen können und sind daher ein wichtiges Instrument“, erklärt Oberbürgermeister Christian Schuchardt.

 

Im Fachbereich Würzburg-Wissenschaft-Standortmarketing WWS laufen die Fäden für die digitale Mitbestimmungsplattform zusammen. Klaus Walther, Leiter des Fachbereichs WWS, möchte Würzburg mit seinem Fachbereich zur „Smart City“ entwickeln. Die Open-Source-Plattform „Consul“ hat nach seiner Ansicht großes Potenzial dafür: „Bürgerbeteiligung wird damit einfacher und es werden mehr und andere Menschen erreicht als in Präsenzveranstaltungen. Die Stadtverwaltung kann selbstständig verschiedene Bürgerbeteiligungsprozesse starten und umsetzen. Ich bin überzeugt, dies ist ein weiterer wichtiger Baustein zur Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern.“ Als Open-Source-Software lässt sich „Consul“ für jede Stadt und alle Bedürfnisse individualisieren: „Es muss nicht für jedes neue Projekt eine Agentur eingeschaltet werden und es bleiben sämtliche Bearbeitungsschritte wie auch sämtliche Anregungen erhalten und nicht nur die Ergebnisse, auf die man sich letzten Endes verständigt“, erläutert Sabine Foster-Jackson, Wissenschaftsbeauftragte der Stadt Würzburg. Durch die einzelnen Programmierungsteile aller beteiligten Städte wachse das Programm ständig. „‘Consul‘ motiviert zum Austausch, denn die Städte, die ‚Consul‘ nutzen, lernen aktiv voneinander“, fügt Sabine Foster-Jackson hinzu. „Wir kooperieren jetzt schon mit Bamberg, die sich für den Einsatz von ‚Consul‘ interessieren und München hat auch bei uns angefragt. Aus dem Landkreis kamen Anfragen von zwei Gemeinden.“

 

Bamberg und Erkelenz stehen kurz vor der Einführung, laut Aussage des Vereins „Mehr Demokratie e.V.“, der Kommunen bei der Einführung von „Consul“ in Deutschland berät. Die Landeshauptstadt München wird wohl ebenfalls dieses Jahr starten. Dazu haben Städte verschiedener Größenordnungen konkretes Interesse bekundet, wie Hamburg, Augsburg, Flensburg, Bautzen, Bad Belzig, Passau und Plön. „‘Consul‘ hat eine sehr große Anpassungs- und Veränderungsmöglichkeit. Die Plattform ließe sich genauso in geschlossenen Bereichen einsetzen, beispielsweise in Schulklassen zur Abstimmung mit den Eltern, oder zur internen Kommunikation und interdisziplinärem Austausch in der Verwaltung oder in Institutionen“, ist Foster-Jackson überzeugt.

 

Würzburg nutzt „Consul“ gezielt zur Bürgerbeteiligung. Für Anwender ist die Software niederschwellig und einfach zu handeln, anmelden kann sich der User mit (Klar-)Name und Mailadresse. Die Software macht es auch möglich, innerhalb des Abstimmungszeitraums Vorschläge zu unterstützen. Zu „Consul“ kam die Stadt über die engen Kontakte zu Würzburger Start-ups, zu Professor Dr. Harald Wehnes und seinen Lehrstuhl für Informatik II an der Würzburger Universität und zur Hochschule für angewandte Wissenschaften FH WS. Die Start-ups unterstützen die Stadt nun auch beim technischen Support. Begleitet wird der Einsatz von „Consul“ durch Forschung an der Universität Würzburg zu Bürgerbeteiligungen.

 

Mehr Menschen werden erreicht

10.000 Zugriffe gab es auf www.wuerzburg-mitmachen.de für das Projekt „Begrünung des Katzenbergtunnels“, bei der Auftaktveranstaltung wurden 130 Personen erreicht, was über dem bisherigen Zuspruch von Präsenzveranstaltungen mit 80 bis 90 Interessierten lag. Auch das Alter war breiter gestreut und Teilnehmer im Alter von 30 bis 49 Jahren deutlich stärker vertreten als bei Präsenzveranstaltungen. Die Ideen für die Gestaltung des Katzenbergtunnels sind vielfältig, kreativ und reichen von Sportstätten über Biergarten bis Wasserspielplatz. Das Projekt „Südlicher Bischofshut“ hatte etwa 12.500 Seitenaufrufe, der Vorschlag Paradeplatz wurde am meisten besucht, unterstützt und diskutiert. Die Kommentare bezogen sich projektübergreifend meist auf die Themen Mobilität (P&R/ÖPNV/Parkplätze/Fahrrad/MIV/Fußgänger) und Klimawandel/Aufenthaltsqualität.

 

Sämtliche Vorschläge und Diskussionen sind auch ohne Anmeldung einsehbar, auch wenn die Phase der Beteiligung abgeschlossen ist. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Einsatz von „Consul“ und auch den internen und externen Nachfragen“, sagt Tilman Hampl, Smart City Manager der Stadt Würzburg und technischer Leiter des ZDI, der die technischen Voraussetzungen für den Einsatz an der Stadt Würzburg einrichtete. Weitere Bürgerbeteiligungen auf www.wuerzburg-mitmachen.de sind in der Planung, derzeit steht ISEK Grombühl bis 7. Mai zur Abstimmung.

BU: Die Mitmach-Homepage der Stadt Würzburg