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Zuversicht und Zuflucht bieten

Förderverein übergibt 40.000-Euro-Scheck für den Nachtdienst der Bahnhofsmission

Sie ist überzeugt, dass es bald wieder Krieg geben wird. Den 3. Weltkrieg. Daran glaubt sie ganz fest. Und davor hat sie riesige Angst. „Alle, erzählt sie uns, werden sterben“, sagt Berenike Schönfeld vom Nachtdienst der Würzburger Bahnhofsmission. Nur die Tiefgläubigen könnten überleben. Die 24-Jährige hört die Frau ruhig an. Sie kennt sie seit langem. Denn die psychisch stark belastete Obdachlose kommt jeden Monat einmal in die Bahnhofsmission, um dort zu übernachten.

 

Für Menschen wie diese Frau ist der Nachtdienst der Bahnhofsmission von existenzieller Bedeutung. Um ihn aufrechtzuerhalten, sammelt der Förderverein seit 14 Jahren Spenden- und Sponsorengelder ein. Am Montag konnte in Anwesenheit der ehemaligen Landtagspräsidentin Barbara Stamm wieder eine große Summe überreicht werden: 40.000 Euro kamen in den vergangenen Monaten zusammen. „Insgesamt haben wir inzwischen fast 400.000 Euro für die Bahnhofsmission gesammelt“, so Fördervereinsvorsitzender Helmut Fries. Etwa die Hälfte dieser Summe ging an den Nachtdienst.

 

Nicht nur für Frauen ist es gut, dass nachts am Bahnhof Menschen mit Gespür für soziale Not Dienst tun, sagt Berenike Schönfeld: „Auch Männer klingeln bei uns noch spätabends oder in der Nacht.“ Manche wollen etwas zu essen haben. Manche klagen über Durst. Häufig wird die Sonderpädagogikstudentin von einem nächtlichen Besucher gefragt, ob er einen Schlafsack oder eine Decke bekommen könnte. In manchen Nächten wird Schönfeld während der Schicht von 21 bis 7.30 Uhr fast stündlich kontaktiert.

 

Für das Team der Bahnhofsmission ist es nicht nur aus finanziellen Gründen wichtig, dass es einen rührigen Förderverein gibt, der unablässig Spenden sammelt. Die große Spendenbereitschaft zeigt auch, dass viele Menschen in und um Würzburg wissen, welche höchst anspruchsvolle Arbeit am Bahnhof geleistet wird. Vor welche Herausforderungen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter aktuell gestellt sind, zeigte Einrichtungsleiter Michael Lindner-Jung auf. Aggressivität und Übergriffigkeit wird nach seinen Worten ein immer größeres Thema. Und zwar nicht nur in Würzburg: „Sondern deutschlandweit.“

 

Allein die nackten Zahlen zeigen, wie viel das Team der von Caritas und Diakonie über die ökumenische Christophorus-Gesellschaft getragene Einrichtung leistet. Mehr als 45.000 Mal suchten Menschen in Not im vergangenen Jahr die Einrichtung am Hauptbahnhof auf. Viele der Besucher stecken in verzweifelten Lebenssituationen. „Manche wurden zum Beispiel zwangsgeräumt“, sagt Jan Bläsing, der ebenfalls im Nachtdienst mitarbeitet. Andere Besucher leiden immens unter einer psychischen Erkrankung. Sie fühlen sich Bläsing zufolge zum Beispiel permanent verfolgt: „Und mitunter tödlich bedroht.“

 

Das Team zeigt sich solidarisch mit den Menschen, die in der Bahnhofsmission oft ihre letzte Zufluchtsstätte haben. Diese Solidarität ist nur an minimale Bedingungen, die das Zusammensein in der Einrichtung selbst betreffen, geknüpft. Doch in das Leben der Besucher mischen sich die Mitarbeiter nicht ein. „Man kann zum Beispiel niemanden zwingen, Neuroleptika zu nehmen“, sagt Bläsing. Manche der seelisch erkrankten Besucher hätten dies sogar schon ausprobiert. Doch die Nebenwirkungen seien zu stark gewesen: „Sie erzählen uns, dass sie unter den Medikamenten nicht mehr sie selbst gewesen seien.“

 

Menschen in verzweifelten Lebenssituationen Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln, das gehört zu den wichtigsten Zielen der Arbeit in der Bahnhofsmission. „„Zuversicht geben“ wurde denn auch als Motto für das Jubiläumsjahr gewählt: Die Würzburger Bahnhofsmission feiert im September ihr 120-jähriges Bestehen. Ein Ereignis, das der Förderverein finanziell und ideell unterstützen will.

 

Von wie viel Solidarität die Bahnhofsmission in Würzburg getragen ist, ließ sich daran ablesen, wie viele prominente Gäste am Empfang anlässlich der Spendenscheckübergabe teilnahmen. Landrat Eberhard Nuß sowie die beiden Würzburger Bürgermeister Adolf Bauer und Marion Schäfer-Blake drückten ihre Verbundenheit mit der Anlaufstelle am Bahnhof aus und versprachen weitere kommunale Förderung. Auch die Kirchen stehen unverbrüchlich zu der ökumenischen Einrichtung, betonten Clemens Bieber, Vorsitzender des diözesanen Caritasverbands, und Dekanin Edda Weise.

Zahlreiche Unterstützer trugen dazu bei, dass der Förderverein dem Team der Würzburger Bahnhofmission auch heuer wieder die stolze Spendensumme von 40.000 Euro für den Nachtdienst überreichen konnte. Bild: Förderverein Bahnhofmission