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VfR Großostheim setzt auf nachhaltige Ausbildung seiner Nachwuchsspielerinnen

25.02.2015

Trainer Torsten Meinert erläutert die wichtigsten Punkte seiner Philosophie


Während selbst die Bundesliga im Winter eine mehrwöchige Pause einlegte, rollte bei den U17-Juniorinnen des VfR Großostheim der Ball in dieser Zeit unaufhörlich weiter. Dreimal pro Woche standen die Fußballerinnen von Trainer Torsten Meinert auf eigenen Wunsch auf dem Platz um zu trainieren. Selbst am 2. Weihnachtsfeiertag und am Rosenmontag absolvierte das Team jeweils eine Trainingseinheit.

 

"Meine Mannschaft ist sich ganz klar darüber bewusst, dass sie mehr tun muss um gegen andere Mannschaften auch nur annähernd in Schlagdistanz zu kommen", so Torsten Meinert. "Hierfür gibt es vielerlei Gründe. In unserem aktuellen Kader befinden sich gerade mal fünf Spielerinnen in der tatsächlichen Alterskategorie einer U17-Juniorinnenmannschaft. Für eine Spielberechtigung innerhalb der Großostheimer Frauenmannschaft sind diese (laut BFV-Statuten) aber alle noch zu jung. Damit diese fünf Spielerinnen trotzdem Spielpraxis sammeln können, haben wir uns vor Saisonbeginn dazu entschlossen eine U17 zu melden. Alle anderen Spielerinnen innerhalb unseres Kaders sind zum Teil wesentlich jünger. Unsere jüngste im Team ist Kim Mazzeo im zarten Alter von 11 Jahren. Der aktuelle Altersdurchschnitt in unserer U17 liegt bei gerade mal 13,6 Jahren. Die meisten meiner Spielerinnen hatten vor dieser Saison noch nie zuvor gegen einen Ball getreten. Einige wussten demzufolge nicht mal wie man einen Ball richtig einwirft. Aufgrund der technischen, mentalen und körperlichen Unterlegenheit war klar, dass hier zunächst Basisarbeit durch Grundlagentraining geleistet werden muss. Wir fingen wirklich bei Null an und waren überhaupt nicht konkurrenzfähig. Hinzu kam die Tatsache, dass ich Spielerinnen aus fünf verschiedenen Nationen und demzufolge auch mit unterschiedlichen Mentalitäten, miteinander vereinen und zu einem Team formen musste, in dem alle gemeinsam für das gleiche Ziel kämpfen. Deshalb stellte ich in Zusammenarbeit mit meinen Spielerinnen vor Saisonbeginn die für uns wichtigsten Regeln und Werte für unser gemeinsames Miteinander auf. Außerdem bedurfte es einer klaren Philosophie.

 

Die wichtigsten Punkte meiner Ausbildungsphilosophie möchte ich nun im folgenden erläutern."

● "Eine kontinuierliche und nachhaltige Ausbildung meiner Spielerinnen hat für mich oberste Priorität. Unsere Philosophie lässt sich mit Rückschlägen und Niederlagen vereinbaren. Auch Mißerfolge nehmen wir deshalb vorübergehend in Kauf."

● "Ich werde meine Spielerinnen universell und flexibel ausbilden, sodass sie mittelfristig auf mehreren und im Idealfall auf allen möglichen Positionen variabel einsetzbar sind. Eine gute Basis ist die beste Grundlage für ein solides Fundament."

● "Wir treten aus unserer Komfortzone heraus und begeben uns in den freien Fall und gehen dadurch auch ein mögliches Scheitern ein. Wir haben den Mut zur Veränderung. Denn nur außerhalb dieser Komfortzone ist eine Weiterentwicklung möglich."

● "Wir brechen mit Regeln, Gewohnheiten und alten gewöhnlichen Denkmustern. Fußball ist ein fortschreitender Prozess. Wer immer nur das tut, was er schon immer getan hat, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Das gilt für mich als Trainer genauso wie auch für meine Spielerinnen. Deshalb bedarf es auch immer wieder neuer Reizpunkte."

● "Alle Spielerinnen werden auf allen möglichen Positionen eingesetzt, weil jede Position verschiedene Anforderungen und Aufgaben an sie stellt. Sie sollen hierbei eigene Entscheidungen treffen und für sich selbst und das Team maximale Verantwortung übernehmen. Sie werden daran wachsen."

● "Ich werde mein Team durch diese Saison tragen und mich jederzeit schützend vor meine Spielerinnen stellen. Jede einzelne besitzt für mich und für das Team den gleichen Stellenwert. Alle sind enorm wichtig."

● "Ich habe großen Respekt vor meiner Mannschaft, denn sie besitzt einen ausgezeichneten Charakter und lebt und verkörpert meine Mentalität. Die Trainingsbeteiligung ist geradezu überwältigend und alles was wir tun, tun wir gemeinsam."

● "Meine Spielerinnen werden nicht in ein bestimmtes Schema gepresst oder limitiert. Sie sollen sich entfalten. Sie können befreit und unbeschwert aufspielen und dürfen auch Fehler machen. Kreativität kann nur dort entstehen wo absolute Freiheit herrscht."

● "Was ich aber generell immer einfordere ist die richtige Einstellung, sowie Einsatz, Kampf und Leidenschaft. Jedes Spiel muss eine absolute Vollgasveranstaltung sein. In unserem Trikot sind unter 100 Prozent nicht erlaubt. Und darüber lasse ich mit mir auch nicht verhandeln."

● "Wir möchten Fußball mit Herz und einer klaren Philosophie spielen: ballorientierte Raumdeckung, schnelles Umschaltspiel, Pressing und Gegenpressing, schnelle Balleroberung, Flexibilität."

● "Unsere Werte und Regeln beruhen auf Respekt, Disziplin, Ordnung, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Verantwortung, Kommunikation, Zusammenhalt und Teamfähigkeit. Das fängt beim Trainer an und beginnt bei uns bereits mit der Begrüßung."

● "Ein weiteres entscheidendes Element bei uns ist der Spaßfaktor. Wir arbeiten akribisch und nachhaltig, denn wir können nicht im 3. Gang trainieren, wenn wir im 5. Gang Fußball spielen wollen. Aber Spaß und Freude dürfen dabei niemals zu kurz kommen, denn es sind elementare Motivations- und Leistungskriterien. Deshalb werden auch kleinste Erfolge bei uns groß gefeiert."

● "Alle Punkte wurden mit meinen Spielerinnen so besprochen. Sie waren hierbei die wichtigsten Entscheidungsträger."


Von: SIGGI