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Wenigstens gut gefightet

31.10.2010

Schweinfurt - Neue Autogrammkarten gab´s von den Spielern der Schnüdel, ganz modern gemacht mit eingesetzten Köpfen auf Tischfußballer-Figuren. Vielleicht wäre es in der Tat angebracht, wenn sich die Jungs des FC 05 mal beim Kickern mit den Händen versuchen, um Selbstvertrauen zu tanken. Beim 1:1 gegen Seligenporten klappte wiederum nicht sonderlich viel. "Wir haben 90 Minuten gefightet", erklärte Coach Klaus Scheer und traf damit den Nerv der Fans. Denn die zeigten sich trotz der spielerisch eher unterirdischen Darbietung genau deshalb nicht unzufrieden, weil die Schweinfurter zumindest den Platz beackerten.


120 Sekunden lang sah es sogar nach dem ersten Dreier nach langen Wochen der Durststrecke aus. Der diesmal sehr offensive Florian Hetzel bediente Sebastian Kneißl, der seine Fraben in der 58. Minute cool in Front schoss. Doch schon im Gegenzug zeigte Schiedsrichter Pongratz auf den Elfmeterpunkt und leitete damit seine Schutzmaßnahmen nach der Dusche ein und den Grund, warum das Gespann entgegen der Üblichkeit diesmal besser nicht im V.I.P.-Zelt zum Speisen weilte. Eray Cadiroglu soll Christian Pollinger gefoult haben, der Gelegte verwandelte auch. Alerdings sprach man selbst im Lager der Seligenportener  ("Schwalbe!") hinterher von einer falschen Entscheidung.

Und mit Karsten Wettberg gab der Trainer der Gäste auch ganz sympathisch zu, dass der Unparteiische in der allerletzten Minute ebenso falsch lag. "Ich entschuldige mich für das Foul. Ich will sowas nicht sehen und bin froh, dass der Spieler nicht schwer verletzt ist!" Gemeint ist Dominik Zwicks Einsteigen gegen den durchgebrochenen Pascal Kamolz, der zwar nicht alleine auf´s Tor zugerannt wäre. Doch die Todesgrätsche hätte eher Hellrot als Dunkelgelb nach sich ziehen müssen. Fakt aber auch, dass eine eventuelle Überzahl angesichts des nahenden Endes dem FC 05 nichts mehr gebracht hätte.

"Fußballmafia BFV" hallte es trotzdem von den Rängen, "Kühe, Schweine, Bauernvereine" ebenso mit dem dezenten Hinweis darauf, dass es so manchem Fan missfällt, wie die Schnüdel gegen namenlose Clubs einfach nicht in die Gänge kommen. "Schweinfurt hat gute Möglichkeiten, nach vorne zu spielen", meinte Wettberg damit nicht die Partie, sondern die Situation insgesamt. "Denn wenn Pascal Kamolz und Florian Galuschka draußen sitzen, dann weiß man, welches Potenzial man hier hat!" Scheer brachte die Genannten erst relativ spät, "weil sie im Training mehr zeigen müssen. Ich habe mir von beiden auch mehr versprochen, wenn man sieht, wie belebend am Ende der junge Timo Pitter war". Der zog mutig volles kurz vor dem Ende ab, verfehlte die Kiste nur knapp, reihte sich ein in wenigstens einige gute Szenen der Hausherren, von denen aber die Gäste aus der Oberfalz ähnliche viele hatten. So gesehen geht das Remis in Ordnung.

"Wir hätten gewinnen, aber auch verlieren können", fasste Karsten Wettberg das ganz fachmännisch zusammen und lobte den Charakter seiner vom Verletzungspech geplagten Truppe, die so richtig gebeutelt wurde, seit sie im Spätsommer ja sogar die Tabellenführung übernahm. Beim FC 05 blieben diesmal Daniel Mache und Alexander Schreckinger ohne Einsatz, was die gute Wahl für den Trainer verdeutlicht. Der entschied sich diesmal für Michael Kraus (später wie auch Kneißl völlig ausgepumpt) als Sturmspitze. "Belebend" sei das gewesen, "die Mannschaft wollte. Aber bei dem enormen Druck zählt das Fußballerische nicht, nur Kämpfen und Fighten. Und Namen zählen bei mir auch nicht. Wer auf der Bank sitzt interessiert mich nicht. Wir müssen kämpfen und fighten, um aus der Scheiße herauszukommen."

Zum Relegationsplatz beträgt der Abstand nun nur noch einen Zähler, weiterhin sechs Punkte sind es auf Bayern Hof, gegen Ismaning mit einem guten Punkt und kommenden Samstag schon ab 14 Uhr der Gast im ersten Match der Rückrunde. Dann wird wieder Fußball gespielt im Willy-Sachs-Stadion, weiterhin auf den Rängen und nicht an Tischen.

Fußball-Bayernliga: 1. FC Schweinfurt 05 - SV Seligenporten: 1:1 (0:0)
Schweinfurt: Andreas Bäuerlein - Papi Henriques (ab 80. Timo Pitter), Sebastian Kress, Wladimir Slintchenko, Benjamin Demel, Erkan Esen, Sebastian Kneißl (ab 75. Florian Galuschka), Michael Kraus (ab 69. Pascal Kamolz), Florian Hetzel, Eray Cadiroglu, Ali Yetkin.
Seligenporten: Emil Kajgana - Matthias Wolf, Alexander Jobst (ab 29. Dominik Zwick), Marco Wiedmann, Christian Knorr (ab 81. Fabian Schäll), Dominik Räder, Bastian Weiß, Florian Grau (ab 86. Bernd Rosinger), Stefan Köck, Michael Brendl, Christian Pollinger.
Schiedsrichter: Rainer Pongratz (Regen).
Tore: 1:0 Sebastian Kneißl (58.), 1:1 Christian Pollinger (60., Foulelfmeter).
Zuschauer: 604.